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Der Jäger

von ILJA

Bewegungslos kauerte er im hohen Gras der Savanne. Seine Sinne fest auf sein Ziel gerichtet, harrte er schon eine Ewigkeit aus. Nichts war von ihm zu sehen, der leichte Wind trug den Geruch seiner Beute zu ihm. Sie graste ahnunglos, blickte nur ab und zu in die Runde, ohne ihn zu entdecken.
Der Wind wiegte das gelbe Gras sanft hin und her. Im selben wiegenden Rhytmus bewegte er sich quälend langsam auf die Beute zu. Seine Muskeln spielten unter seinem gefleckten Fell. Die braunen Augen glommen orange im Schein der Sonne. Er hatte nur Augen und Ohren für sein Ziel, nichts konnte ihn ablenken.
Ein Geier kreiste erwartungsvoll am Himmel, wartete auf seine Zeit.
Das leise Rauschen des Windes untermalte die Stille. Lautlos schob er seinen schlanken Körper vorwärts. Die Beute blickte in seine Richtung, er verharrte in seiner Haltung.
Sein Opfer wurde etwas nervös. Es tippelte ein wenig vorwärts, blickte und horchte lange zu ihm herüber. Schließlich senkte es den Kopf und graste weiter.
Nein, er war nicht entdeckt.
Die Sonne stand hoch am Himmel, sie war Zeuge des sich anbahnenden Schauspiels. Der Lauf der Dinge, fressen und gefressen werden, das Überleben des Stärkeren.
Noch ein klein wenig näher heran und seine Beute hätte keine Chance mehr. Zu schnell sein Antritt, zu scharf seine Krallen, zu spitz seine Zähne. Zu groß sein Hunger.
Wieder sah die Beute auf. Die hoch aufgestellten Ohren drehten sich wie Radarschirme, bereit jedes Geräusch, jede Bewegung zu erfassen.
Er erstarrte.
Die Sekunden verrannen, er bewegte sich nicht. Die Beute stand regungslos und schaute in seine Richtung.
Es war ein Wettkampf. Wer sich zuerst bewegte, hatte verloren.

Die Beute drehte den Kopf weg ...

Wie von einem Katapult abgeschossen schnellte er aus dem Gras hervor. Die Beute stürzte davon, war schnell, doch er war schneller. Er konnte den Schweiß riechen, die Panik in den Augen sehen, es gab kein Entkommen.
Ein letzter verzweifelter Haken konnte ihn nicht abschütteln. Seine Krallen schlugen sich in das Fell, seine Zähne bissen kraftvoll zu und er schmeckte das Blut.
Die Beute brach unter der Last des Jägers zusammen, konnte sich kaum noch wehren, der ungleiche Kampf war ebenso schnell vorbei, wie er begann.
Das Gras der Savanne wiegte sich weiter im Wind, versperrte die Sicht, verschluckte die Laute. Nichts deutete mehr auf den tödlichen Zweikampf hin, der soeben entschieden wurde.
Ein Leben genommen um ein anderes zu erhalten. Zwei Leben zu einem verschmolzen. Nur die Stärksten überleben.