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Urlaub oder so

von Dela


Nach einer unglaublich langen Fahrt von etwa 30 Minuten, machten wir die erste Kaffeepause an einer Tankstelle. Das Blöde an der Sache war, dass die da gar keinen Kaffee hatten. Stattdessen haben wir zum Trost Joghurt gegessen, mit freundlichen Biokulturen für eine nette Darmflora.
Nach vier weiteren hoffnungslosen Fällen an einer Tankstelle Kaffee aufzutreiben, hatten wir an der fünften endlich Glück. Dort gab es Cappuccino (Würg) für meine Freundin Nicole, die mindestens vier bis fünf Esslöffel Zucker in ihrem Kaffee braucht. Allerdings ohne Süße, denn sie war mit dem Automaten völlig überfordert - weil zu viele Knöpfe.
In der Zwischenzeit hatte ich DEN ultimativen Volkssport entdeckt: mit-zusammengepressten-Beinen-mehrfaches-Tankstellen-umrunden, auf der Suche nach dem Klo. Von Nicole kam nach Runde vier der rettende Hinweis:
"Ey! Klo ist DRINNEN, Dela!"
Aha! Wie peinlich ...
Endlich, endlich, endlich, nach drei Stunden (gefühlte Zeit - sieben Tage!) sind wir dann an unserem Campingplatz angekommen.

Ich hatte verdrängt, welch gemeine Dinger diese Zelte doch sind. War aber nicht weiter schlimm, ich wurde schnell daran erinnert! Allerdings fand ich Nicoles Familie noch viel gemeiner... Denn die hatten uns zwar das Zelt eingepackt, aber die Heringe vergessen!
Wie gut, dass wir ein schier unerschütterliches Selbstvertrauen hatten. Aber das brauchten wir auch. Sämtliche "Zeltnachbarn"holten ihre Klappstühle heraus, setzten sich gemütlich hin und beobachteten uns demonstrativ, mit einem fetten Grinsen im Gesicht.

Frauen: 2, davon eine schwangere (Nicole)
gemeines Zelt: 1
Heringe: 0
technische Begabung: 0
Das konnte ja nichts werden.

Ha! Aber wir haben eine kreative Lösung gefunden, denn wir hatten eine zusammensteckbare Stange zu viel und diese wurde kurzer Hand als Ersatz-Hering umfunktioniert und mit Plateu-Schuhen in die Erde gerammt.
Hammer? Was ist ein Hammer?!
Egal, Zelt hält. Nun aber ab zum Strand!
Hochsaison, kaum Parkplätze...aaargh!
Endlich, endlich, endlich der Strand, das Meer und kaum Katastrophen. Allerdings hatten wir unsere Sonnenschutz-creme vergessen und das in DEM Jahrhundert-Sommer. Egal, wer denkt denn schon an Hautkrebs?! Hauptsache braun werden. Ziemlich knusprig haben wir uns dann gegen 19 Uhr in Richtung Campingplatz aufgemacht. Ich wußte ja gar nicht, wie gemeingefährlich Duschen sein können...
Survivaltraining unter Eiswasser in einer 1 Quadratmeter großen Kabine. Ausweichmöglichkeiten: 0!
Äußerst erfrischt und gestylt wollten wir noch in die Stadt. Nicole machte begeistert den Vorschlag dahin zu laufen, es wäre ja nicht weit.
Gut, gut, laufen ist gesund und macht schlank. Auf gehts.
Zuvor kam uns aber noch die gloreiche Idee, die Strand- und Duschhandtücher zum Trocknen auf das Auto zu legen ... Tja,gute Idee,was?
Der Weg in die Stadt...
Ich glaube, ich hatte mindestens zwanzig Mordgedanken! Nicole und ihre Einfälle ... LAUFEN!
Gefühlte 50.000 Kilometer später sind wir dann endlich angekommen.
In dem Städtchen Schagen war ein Pop-Weekend, es war also ziemlich viel los.
Der Rückweg ...
Völlig ausgehungert, weil die Dönerbude nicht gefunden wurde, hätte Nicole beinahe eine Urinvergiftung erlitten. Das Hauptgespräch in der nächsten Stunde war:
"Ich muß Pippi!"
"Meine Füße tun weh!"
"Ich muß aufs Klo!"
"Mein Rücken tut weh!"
"Meine Blase platzt schon..."
"Darf ich dich ein bisschen umbringen?!"
"Nein!"
"Ach man, du gönnst mir auch gar nichts!"
Endlich, endlich, endlich ... Das ersehnte Zelt wurde erreicht. Nicole sprintete in die Büsche und mir war, als hörte ich einen Elch pinkeln. Völlig entnervt stellte ich dann fest, dass ich mein gesammtes Bettzeug vergessen hatte. Ich war den Tränen nahe. Aber Nicole hatte Gott-sei-dank von allem das Doppelte eingepackt. Völlig ermattet und hundemüde sanken wir auf unsere platten Luftmatrazen, worüber wir nur noch halbherzig meckern konnten. Und jetzt nur noch schlafen ...
Von wegen! Die Temperatur war auf mindestens -25°C abgekühlt. Wir schliefen nur 2 Stunden, weil wir viel zu beschäftigt damit waren zu frieren und uns gegenseitig Angst zu machen. Es waren mit Sicherheit fünf "Umszeltschleicher" und 'ne Horde 6-8 Füßler unterwegs, was bei uns direkt zu nervösen Zuckattacken mit der Taschenlampe sorgte. Wir waren fast soweit nach Hause zu fahren, aber einen echten Camper haut nichts um!
Der Morgen barg dann auch prompt die nächste böse Überraschung: Die Handtücher waren patschnass "getrocknet".Wer denkt denn an Tau?! Egal, heute wird alles besser laufen.
Die Sonnenschutzmuschel wurde eingepackt und ab in die Stadt (im Auto!).
Frühstücken und KAFFEE !!
Der Tag konnte ja nur gut werden ...
Gut gestärkt und mit neuer Sonnenmilch ausgestattet, ging es dann gegen 11 Uhr ab zum Strand. Dort angekommen fiel uns ein, dass wir die Sonnenschutzmuschel im Auto vergessen hatten. Scheiße, aber egal.
Wir buddelten uns anatomisch perfekt geformte Liegeplätze, was uns äußerst seltsame Blicke der Strandnachbarn einbrachte. Die waren alle bloß neidisch, wir lagen bequem ...
Sehr bequem ...
Richtig, wir schliefen ein. Vier Stunden, eine Flasche Sonnenmilch und dem Sonnenbrand des Jahrhunderts später sind wir (völlig voller Sand) dann doch zum Auto gelatscht, um die Muschel zu holen. Das Auto stand übrigens nur 5 Minuten weit entfernt. Als das Ding dann endlich stand (da waren Heringe dabei!) diskutierten wir über diverse Attacken von Terror-Hummeln, die uns zuvor "leicht" beunruhigte Blicke der sich ebenfalls bräunenden Menschen neben uns einbrachten. Nicole befand sich Auge-in-Auge mit einer Killer-Hummel. Das Rumgehopse und Geschrei von ihr amüsierete mich natürlich königlich.
Die Schadenfreude, die Schadenfreude ...
Zur Strafe wollte sich das dicke Monster-Ding beim Zigarette anzünden auf meinen Finger setzten, was ich mit einem schrillen Schrei und Nicole mit gehässigem Lachen quittierte. Ja,ja, ich weiß. Kleine Sünden ...Blabla!
Nachdem ich dann das 2. Mal die Dose Cola in der Strandmuschel umgekippt hatte, Nicole bemerkte, dass an Deutschland kein Preis steht und einigen anderen haarstäubenen Versprechern, endlud sich das Chaos der letzten Tage in einen halbstündigen Lachkrampf.
Sonne schmilzt das Hirn weg.

Nach einem weiteren Nickerchen beschlossen wir etwas essen zu gehen und machten uns danach auf den "Heimweg".
Juchu, Dusche,wir kommen!
Glücklich den Sand aus und von sämtlichen Körperregionen entfernen zu können, stand ich nackig da, bereit das rettende Nass zu empfangen, als Nicole von draußen hysterisch schrie:
"DELA!!! Komm da raus! Ganz schnell!"
Da ich ja nicht wusste, was nun wieder los war, verstand ich ihre Panik nicht.
"Hä?! Wieso?!"
Panisch schrie sie: "Da sind ganz viele fette Spinnen rund um die Kabine!!"
OhGottohGottohGott!!
Eine Frau, angelockt von unserem Geschrei meinte dann noch: "Ja,die kommen rein, wenn das Wasser angeht."
Nicht schwer zu erraten was passierte oder?
Das Wasser ging an, denn die 50 Cent hatte ich vorher schon eingeschmissen. Eine Sekunde später kam auch schon der erste fette 8-Beiner reingekrabbelt! Meine Kreischattacke hatte das Vieh dann gnädigerweise zum Rückzug überredet. Zwei Sekunden später hatte ich meinen sandigen Badeanzug wieder an und war einem Heulkrampf nahe.
Dann fing Nicole erneut an zu schreien: "Dela! Komm da sofort raus! Aber schnell! Und guck bloß nicht nach oben!!"
Na toll! Was macht man dann natürlich als Erstes? Nach oben gucken.
Aaargh! 1000 Spinnen! Die Kabinentür flog auf und ich hüpfte mit einem Kampfschrei, der eines Ninjas würdig gewesen wäre, durch den spinnenverseuchten Eingangsbereich der Psycho-Terror-Dusche.
5 Herzinfarkte und 30000 graue Haare später saß ich (um mindestens 20 Jahre gealtert ...) nun doch noch frisch geduscht (die anderen Duschkabinen hatten KEIN Spinnen-Problem) neben Nicole im Auto. Wir fuhren in die Stadt, holten uns Pizza und fuhren wieder zum Zelt. Auf mal wieder platten Luftmatratzen verdrückten wir unser Essen und versuchten das bis dahin erlebte zu verdrängen ... Verarbeiten wäre doch ein bisschen viel verlangt, oder?
Die Nacht brach herein ... Stille .. Wärme ... Es war sogar fast bequem.
Wir haben tatsächlich wie die Babys geschlafen.
Morgens: Badesachen packen, Zähne putzen, waschen, in die Stadt fahren, frühstücken, Kaffee und ab zum Strand.
Am Strand: Sonnenmuschel aufbauen, anatomisch perfekt geformte Liegeplätze buddeln, Sonnenmilch ... Nichts passierte.
Außer das ich gegen unsere Strandnachbarn so 10000 Mordgedanken hegte! Alle knackebraun - während ich mit langer Hose und mit 'nem riesigen Badehandtuch, den Oberkörper verhüllend, in der Sonnenmuschel saß ...
SONNENALLERGIE!!!!

_*Ach übrigens, ich hasse Camping.*_