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An jedem verdammten Sonnabend

von ILJA


IKEA, schon der Name klingt doof. Auch durch den netten Herrn aus dem Radio, mit dem komischen Akzent, wird es nicht besser.
Es ist Sonnabend und meine Frau meint: "Lass uns doch mal wieder zusammen zu IKEA fahren. Ist doch schön, da mal wieder durchzubummeln."
Da war es wieder, das "I-Wort", meine Nackenhaare stellen sich auf. Aus der Traum vom schönen Wochenende.
Bummeln, von wegen. Als ob Frauen durch diesen Laden bummeln würden, sie kaufen sich durch. Jede von ihnen reisst riesige Löcher in die Regale.
Ich will nicht zu IKEA, an keinem Tag. Aber sag mal einer etwas dagegen. Das Wochenende wäre völlig im Eimer, so bedeutet es NUR einen Tag des langersehnten Wochenendes und eine glückliche Frau. Also was tun?
Na was wohl. Lächeln, innerlich sterben und sich sagen hören: "Klar doch Schatz, gerne. Ich hatte eh' nichts anderes vor." Und dann zum Telefon gehen und den Kumpels das Fehlen beim Fussball erklären.

Die Anfahrt:

Der Stau reicht zurück bis auf die Autobahn. Von der Ausfahrt bis auf den IKEA Parkplatz brauchen wir ziemlich genau 35 Minuten. Ich bin innerlich am Kochen, lasse mir aber nichts anmerken.
Auch nicht, als sich ein Fahrer rücksichtslos vor uns in die, von uns anvisierte und angeblinkte, Parklücke drängelt. Bis auf: "Komm her du Arsch, los steig aus! Dir hau ich ein paar rein, Depp, blöder. Los trau Dich!"
Nun, er hat sich aber nicht getraut, meine Frau funkelt mich wortlos an ... aber ich habe mich abreagiert. Naja fast, ich würde ihm schon gerne ...
Wenigstens hat sie sich diesmal nicht gleich in der 1. Etage ausgetobt. Da hatte sie letztes Mal schon mit einer neuen Couch gedroht: "Sieh mal hier, die ist schön. Und sooo praktisch. Den Bezug kann man sogar abnehmen und waschen."
Ich sehe das Preisschild und unterdrücke einen Hustenanfall. ("Wir werden das Ding vielleicht 3x waschen, also kostet jedesmal waschen knapp 1000 .- ? Wieso kann es nicht eine Billige sein und wenn sie Flecken hat, wird sie entsorgt und eine Neue gekauft?")
"Ja, wirklich Klasse, mir gefällt sie auch richtig gut. Sitzt sich auch bequem. Und ist gar nicht teuer, ein richtiges Schnäppchen. Willst Du sie gleich haben?" Luftanhalten. "Nein, wir schauen da hinten nochmal." Puh, das war knapp.
Der Härtetest kommt allerdings im Erdgeschoss. Millionen Dinge die Frau unbedingt braucht, jeder Artikel mindestens 2587 vorhanden. Natürlich will sie nur ein paar Kleinigkeiten, die sie unbedingt schon immer brauchte und nirgendwo anders bekommen hat. Und schon gar nicht zu deeem Preis. Alles wird begrabscht, befummelt und beäugt, es muss doch für irgendetwas zu gebrauchen sein.
Ein Nudelklammereisen ... oder so. Auf alle Fälle total praktisch und gar nicht teuer. Und die schönen Gläser, gibts nur im 10er Pack. Aber was solls, die "alten" Gläser hatte sie ja auch schon seit dem letzten IKEA Besuch von vor ... 8 Wochen? Und die sind ja auch nicht mehr im Trend und ausserdem wäre ja auch neulich beinahe eins beim Abwaschen kaputt gegangen.
Und diese formschönen Essbretter, in allen Größen. Dazu die schicken Körbe, Schalen, Kerzenhalter und ... "Sieh doch mal die kleine Leuchte da" und die praktischen auf Streichholzschachtelgröße zusammenfaltbaren "kannmanimmergebrauchen" Teile. Wow, ein leuchtender Briefbeschwerer und diese total Klasse verrenkbare Holzpuppe ...
Meine Frau stopft mir das Zeug in diese tolle gelbe Umhängetasche, mit der ich aussehe, wie ein geistig zurückgebliebener Pfadfinder.
Offenbar muss jeder Mann so eine Tasche haben, obwohl sie fast alle auch noch einen Wagen schieben dürfen. Aber Frauen scheinen diese Dinger schick zu finden.
Sie scheint jetzt doch schon alles zu haben ... dann die Schlange an der Kasse.
Es wurden Schilder aufgestellt: "Ab hier 25 Min. Wartezeit bis zur Kasse", eins kann ich von hier schon fast lesen. Meine Frau verhindert gerade noch, dass die Tasche ins nächste Regal fliegt.
Es ist kaum zu glauben. Die Frauen schwatzen oder wuseln noch einmal davon, um schnell noch ein paar "hättenwirdochfastvergessen" zu holen, während die Männer wie die Deppen mit ihren Wagen und den schicken gelben Pfadfindertaschen in der Schlange stehen.
Das nächste Schild "Noch 15 Min. Wartezeit bis zur Kasse" veranlasst mich, erneut mit der Tasche Schwung zu holen, aber meine Frau meint, sie könne die Kasse schon sehen. Also gut.
Wuselwuselwusel und schon habe ich diesen tollen Übertopf für den Dingsbumsbusch im Wohnzimmer in der Tasche. Das nächste Schild kann man schon nicht mehr lesen, vielleicht wurde es ja tatsächlich übersehen und umgeknickt, jedenfalls waren reichlich Schuhabdrücke drauf.
Dann ist es soweit, ich kann die Kasse sehen und weitere 10 Minuten später sind wir auch schon dran.
"Na also, war doch gar nicht so lange, oder?" Meine Frau strahlt mich an. Ich bin nicht fähig eine nett klingende Antwort zu geben, halte meinen Mund und nicke einfach.
Nachdem ich ihr alle meine Ausweise, Führerschein, Visiten-, Krankenversicherten- und Kreditkarten vorgezeigt habe, glaubt mir diese blöde Kuh an der Kasse ("Mein Mann hat das nicht so gemeint") endlich, dass ich mit meinem Nachnamen und nicht mit dem Vornamen unterschrieben habe. (Und ob ich das so gemeint habe) Der Tritt gegen den Tresen hat aber auch wirklich keine Spuren hinterlassen.

Die Abfahrt:

Draussen ist es inzwischen dunkel und ich kann meine letzten Hoffnungen auf Fussball begraben.
Auf dem Parkplatz beginnt das Drama von vorn. Wie kommt man von IKEA wieder weg?
Der Parkplatz ist verstopft.
Die Ausfahrt ist verstopft.
Der Weg bis zur Ampel ist verstopft.
Die Autobahnauffahrt ist ... genau, verstopft.
Mal wieder 35 Minuten für die 1,4 Kilometer, doch so schnell.
Aber den blöden Deppen von der Herfahrt habe ich in eine Parklücke abgedrängt, in der er vermutlich 'ne Stunde gebraucht hat, um rückwärts wieder rauszukommen.

Also dann, bis zum nächsten Sonnabend!


Sind wir nicht alle ein bisschen IKEA?